Wie Erlebtes zur Erfahrung wird

In den letzten drei, vier Wochen habe ich verschiedentlich von unserem Pilgern Freunden, Bekannten, Kollegen und Mitarbeitenden erzählt. Durch das interessierte Zuhören und durch das Nachfragen sind mir immer wieder neue Aspekte klar geworden. Auch habe ich eine Sprache gefunden, die mein Pilgeranliegen und meine Erfahrung nochmals auf dem Punkt und in eine klare Form bringt. Darüber freue ich mich sehr. Im Resonanzraum des gemeinsamen Gesprächs kann sich Erfahrenes bei mir nochmals tiefer setzen. Nur wenn Andere sich für mich und meine Geschichte interessieren, erinnere ich mich wirklich. Dass Erfahrung nicht nur etwas erleben bedeutet, sondern Zeit braucht, damit sie mir wird, erlebe ich gerade tagtäglich. Daher darf das Erlebte auch nicht einfach zugedeckt werden mit neuen Aktivitäten. Ich nehme mir daher bewusst Zeit, das Pilgern nochmals mit Andern zusammen wiederzukäuen, zu verkosten und zu verdauen. Dabei verändern sich der Blick und das Gefühl für das Erlebte, bis sich die Erfahrung in einer ganz bestimmt Weise festsetzt und zum Schatz der eigenen Lebensgeschichte wird.

 

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sich erinnert

Wie aufmerksam! Eine ältere Dame aus der Pfarrei hat sich daran erinnernt, was ich wohl auf der Pilgerschaft vermissen werde, wovon ich sicher eine Reserve mittrage, wobei ich mich nicht gerne umgewöhnen wollte – meine Zahnpaste. Okay ich gebe es zu, da bin ich wirklich ein bisschen heikel, aber konstant. Sie ist noch immer meine Favoritenzahnpaste. Deshalb vielen Dank Paula (Name von der Redaktion geändert) für diese schöne Überraschung, die mit Zuwendung gekauft wurde, mit Aufwand geschrieben und mir Freude beim Öffnen des Briefkastens bescherte.

eine kleine Statistik: zwei Tuben bis Istanbul gebraucht (selber mitgetragen, nicht gespart), eine weitere Tube, von Christoph nach Istanbul gebracht, für den Rest der Zeit (wiklich gespart, von Hildi gelernt)

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still und allein

Nach dem Abenteuer zu viert bin ich wieder in meine bekannte Lebensform heimgekehrt. Das Alleinsein prägt sie. Ich bin allein-stehend. Für die Pilgerschaft hatte ich mich auf etwas ganz anderes eingelassen. Auf eine Art Vierer-Seilschaft. Kein Alleinsein, ausser in den eigenen Gedanken. Kein Raum für Rückzug, ausser im Schlaf und unterwegs ins Innere der Seele. Keine Stille, nur dann, wenn unsere Wege abseitig waren und wir selber auch schwiegen. Oft aber war der ganze Tag laut. Ich staunte unterwegs und freute mich, dass ich fähig war, mich in diesem ganz anderen zu bewegen und gut zu leben. Jetzt in den neuen Räumen meines Daheims wirken das Alleinsein und die Stille doppelt leuchtend. Ich kann in meiner Stube auf dem bequemen Stuhl sitzen, auf die Stille des Hauses horchen und ganz fasziniert in den Raum und zu den Fenstern hinaus schauen. Nur das. Eine ganze Weile. Nur das. Einzelne Momente der Pilgerschaft tauchen dabei auf und ich beobachte, wie dieser Nachklang erst das Eigentliche herauszuschälen beginnt. Sie ist überhaupt nicht vorbei meine Pilgerschaft.

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Zu Besuch Daheim

Heute feiert mein Vater seinen 72igsten Geburtstag. Herzliche Gratulation!!! Natürlich machte ich einen Besuch. Wir assen Zmittag, stiessen auf sein Wohl an, redeten, lachten und plauderten. Plötzlich kam mir in den Sinn, dass ich das Foto von ihm im Toten Meer schon lange nicht mehr gesehen hatte, aber aller Welt davon erzählte. Nun denn, in welchem Album ist es eigentlich, in dem mit dem goldigen Umschlag, in dem mit dem Pferd vorne drauf oder in dem, welches in einer Kartonhülle geschützt ist? Wir stöberten gemeinsam in den verschiedensten Alben und fanden es – so cool! Tja, da kann ich jetzt mitreden und nur sagen: ganz wie dä Bape…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kindergeschenke

Zeichnung von Benjamin

Ich hatte Besuch von meinen Neffen Raphael und Benjamin. Beide beschenkten mich mit Zeichnungen. Raphael hatte sich stundenlang beschäftigt. Waren es 10, 15 oder 20 Blätter? Er hat bestimmt so lang gearbeitet, wie ich gelaufen bin. Soviele Zeichnungen und alle in farbige Blätter eingepackt, überreichte er mir. Benjamin hatte sein Bild eingerahmt. Welche Arbeit! Berührt hat mich besonders die Widmung auf seiner Zeichnung (siehe oben rechts).

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Von der “digitalen Kirche” zur City-Kirche

Erfahrungsbericht in der City-Kirche Zug

Vorgestern Abend habe ich in der City-Kirche von Zug zum ersten Mal öffentlich von unserm
Pilgern berichtet. Dass sich die Kirche so ganz gefüllt hat, war mir eine
freudige Überraschung. Es war ein wunderbarer Abend, indem ich beim Erzählen
nochmals intensiv gewisse Passagen des Pilgerns erleben konnte. Die Bilder in
ihrem Ablauf den durchwanderten Ländern entlang brachten mich nochmals in die Dynamik des Erlebten hinein. Es hatte mit der Leichtigkeit des Wanderns in der Schweiz, in Südtirol und Österreich begonnen, sich durch die Balkanländer und die Türkei dahingezogen und schliesslich in Syrien eine grosse Ernsthaftigkeit angenommen. Die Spannweite des Weges konnte ich in den gut 80 Minuten, die ich gesprochen habe, nochmals nachempfinden. Dass die Zuhörer und Zuhörerinnen so interessiert und gebannt mitgingen, hat mich selbst in einen Sog gebracht. Nach dem Vortrag sind zahlreiche Leute auf mich zugekommen, die ich nicht kannte. Sie erzählten, wie sie intensiv den Blog verfolgt hätten und sich nun freuten, mich auch von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen. Die Gesichter waren neu für mich, doch ich merkte, dass sie viel von mir wussten und sich ein Bild über uns vier Pilger gemacht haben. So war eine Vertrautheit da und spürte, wie der Blog eine Community, ein Netzwerk von am Pilgern Interessierten geschaffen hat. Es ist für mich eine Form von Kirchesein im digitalen Zeitalter der Social Media.

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Kleinigkeiten

Je weiter wir Pilger von zuhause entfernt sind, umso schwieriger ist es, dem Bedürfnis nach einem morgendlichen Kaffee zu entsprechen. Ich gewöhne mich erstaunlich gut daran, auch ohne Kaffee auszukommen. Jetzt steht in meiner Wohnung eine Kaffeemaschine. Bei der Arbeit kann ich an zwei Orten Kaffee machen. Beim Optiker und der Coiffeuse werde ich gefragt, ob ich Kaffee wolle. Zum Abschluss eines Essens wird Kaffee geboten. Ich überlege jetzt: wo verzichte ich auf Kaffee.

Am neuen Arbeitsort gibt es eine Küche. Da stehen Harasse mit Mineralwasser. Der freundliche Mitarbeiter fragt mich, ob ich Mineralwasser mit oder ohne Gas trinken würde. Ich stocke. Äähm, keine Ahnung. Eigentlich trinke ich am liebsten Wasser vom Hahnen.

Unterwegs in der Stadt St. Gallen begegne ich hie und da Frauen mit Kopftüchern. Eine spontane Gefühlsregung der Zuneigung stelle ich fest. Wie wenn ich die Frau bereits ins Herz geschlossen hätte. Dabei geht es nicht um die Fragen des Kopftuchs. Es ist die Erinnerung an die vielen Türkinnen mit Kopftuch und (im anatolischen Hochland) Pluderhosen. Sie waren uns zugetan. Sie boten uns Tee, Brot, Äpfel, Mandarinen, Oliven und was immer sie gerade zur Hand hatten. Ich habe sie ins Herz geschlossen – die Frauen mit Kopftuch. Ich weiss, woher sie kommen.

 

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nach Hause – auch noch nach drei Wochen

 

licht- und gesangfreudiger Empfang in Jona

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Adventskalenderbild vom 6. Januar - passend!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch ich bin wieder zu Hause.

Angekommen? Das ist eine schwierige Frage, obwohl das Willkommen gar nicht schwer war. An besagtem Ankunftstag am 6. Januar zu Dreikönig, erwartete mich die Pfarrei Maria Himmelfahrt am Bahnhof Jona mit Kerzenschein und dem passenden Lied: „Shalom chaverim, shalom chaverim, shalom, shalom. Lehitraot, lehitraot, shalom, shalom.“ (Friede, Friede ihr Freunde, Friede, bis zum Wiedersehen!)

Frieden – dafür sind wir gegangen, er ist uns begegnet, er begeleitete uns, wir versuchten mit unserem Projekt für den Frieden einzustehen und auch mein Ankommen war friedlich und freundlich und dauerte bis in die Morgenstunden. Glücklich und zufrieden fiel ich morgens um halb vier müde ins Bett.

Hier ist ein Zuhause und täglich spüre ich neu wie wohl es mir in Jona, in dieser Pfarrei, mit den Leuten und im Team ist. So ist Heimkommen schön! DANKE allen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

es wird gelacht und...

... getanzt!

Freude!

 

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Eingeflochten

Vor drei Wochen sassen wir Pilger im Flugzeug, bereit für die schnelle Zurückbringung nach Hause und in unsere Alltage. Für mich gab es in gewissem Sinne aber weder das Eine noch das Andere. Meine Wohnung stand gut verpackt im Estrich des Salesianums in Fribourg eingelagert. Mein Beruf, die neuen Arbeitsstellen auf dem Pastoralamt des Bistums St. Gallen und als Pastoralassistentin in der Dompfarrei,  stand mit 1. Arbeitstag am 16. Januar als tabula rasa vor mir.

Drei Wochen später: Die Wohnung in St. Gallen (im Herbst von meiner Schwester gesucht und gefunden) gefällt mir sehr gut. Eine praktisch veranlagte Zügelcrew hatte innerhalb eines halben Tages alles so weit eingerichtet, dass ich schlafen, essen, duschen und arbeiten konnte. Wunderbar. In die neuen Arbeitsstellen, mit Büro im Klosterhof, bin ich herzlich und sehr wohlwollend eingeführt worden. Nach 11 Jahren Abwesenheit vom Bistum St. Gallen und der Pfarreiseelsorge kommt mir vieles verändert entgegen. Nicht aber die Menschen. Von den rund 20 Mitarbeitenden des Bischöflichen Ordinariates kenne ich die Mehrheit.

Was ist vom Pilgern übrig geblieben: Bisher bin ich jeden Tag die 2,7 km von meiner Wohnung zum Büro gelaufen. Noch in morgendlicher Dunkelheit. Ich freue mich an der frischen Luft, vereinzelten Vogelrufen, an den Kindern (die mich hier allerdings nicht beachten im Unterschied z.B. zur Türkei, wo sie uns Pilgern manchmal scharenweise nachliefen), an einer unglaublich gepflegten Stadt und dem Erwachen eines neuen Tages. Was mich am meisten freut: mit dem ersten Schritt beginnt innerlich automatisch des Herzensgebet zu “sprechen”, im Pilgerrhythmus in die einzelnen Schritte eingepasst: Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser. Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser. Es hat sich ins Schrittmass eingeflochten und wird sofort lebendig, wenn ich weiter gehe.

Ich gehe weiter.

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Paulus in Tarsus, Antiochia, Damaskus und Jerusalem

Heute ist ein besonderer Tag: Nach dem liturgischen Kalender feiern wir am 25. Januar das Fest: “Die Bekehrung des hl. Apostels Paulus”: Er war von Jerusalem aus auf dem Weg nach Damaskus, als ihn um die Mittagszeit ein helles Licht umstrahlte, er zu Boden stürzt und Jesu Stimme hört. Saul wird von seinen Begleitern nach Damaskus geführt, weil er selber nichts mehr sieht. Der bei allen Juden angesehene fromme und gesetzestreue Hananias teilt ihm seine neue Berufung mit: “Der Gott unserer Väter hat dich dazu erwählt, seinen Willen zu erkennen, seinen Gerechten zu sehen und die Stimme seines Mundes zu hören; denn du sollst vor allen Menschen sein Zeuge werden für das, was du gesehen und gehört hast.” Und er fährt fort: “Was zögerst du noch? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, und rufe seinen Namen an!” Später betet Saulus wieder in Jerusalem im Tempel, wo er “in eine Verzückung gerät” (Apg 22,1-21).

Taufe des Saulus

An beiden Orten haben wir dieses bekehrten Pharisäers gedacht: In Damaskus in der Hananias-Kapelle, vor der wir eine einfache Darstellung der Taufe des Saulus durch Hananias gefunden haben; und in Jerusalem auf dem Tempelberg, wo Saulus häufig gebetet hat, auch nach seiner Bekehrung zum Jünger Jesu, des Messias, den er als Sohn Gottes bekannte (Röm 1,1-4; Gal 4,4-5).

Doch seinen Spuren sind wir auch in Konya im anatolischen Hochland, dem antiken Ikonion, begegnet (Apg 14,1). Dann in Tarsus, seiner Geburtsstadt (Apg 22,3), wo er nach seiner Bekehrung wieder einige Zeit verbracht hat und wo ihn Barnabas aufsuchte und nach Antiochia holte (Apg 11,25-26). In dieser Stadt, dem heutigen Antakya in der Südtürkei lebte und wirkte Saulus bzw. Paulus über mehrere Jahre (vgl. Apg 13,1-3; 15,35).

Das Leben und Bekenntnis dieses Begeisterten für Christus berührt mich jetzt noch mehr als vor unserer Wallfahrt.

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