Jerusalems vielgestaltige Geschichte

Heute besuchten wir das Museum in der Zitadelle von Jerusalem, das die 3000-jährige Stadtgeschichte nachzeichnet. Meine Freundin Tamar Avraham führte uns durch die Jahhunderte und zeigte die Veränderungen an den Modellen nach. Es ist faszinierend, wie von der kleinen Davidsstadt sich ein Gemeinwesen an der Seite des Tempels entwickelte, je nach Interessen der Herrscher. An den grossen Sakralbauten wie Tempel, Grabeskirche oder Felsendom wird auch die dominierende Religion und Weltanschaung sichtbar. Auch die Interaktion zwischen den drei monotheistischen Religionen wird deutlich, wenn Architekturzitate oder Verschiebung von heiligen Stätten verfolgt werden können. Jerusalems Einwohnerzahl ist von wenigen Tausend bis fast eine Milion in den letzten 150 Jahren gewachsen. Doch umstitten sind weiterhin nur wenige Quadratkilometer, einige heilige Orte. Sie aber halten die Welt in Atem.
In dieses Jerusalem mit reicher Geschichte und vielen Gesichtern sind wir gepilgert, geht es mir durch den Kopf. Dabei ist das himmlische Jerusalem, noch nicht einmal im Blick. So verband sich in mir während des Museumsbesuchs die grossartige und zugleich erbärmliche Geschichte der Stadt mit ihren Menschen voll Freuden, Schmerzen und Hoffnungen mit einer utopischen Hoffnung auf das Jerusalem in der Höhe. Welches der beiden mir die Motivation für den langen Pilgerweg gegeben hat, ist schwer zu sagen. Die Sorge und Liebe zum irdischen Jerusalem ist für mich nicht von der Hoffnung auf das himmlische Jerusalem zu trennen.

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10 Kommentare zu Jerusalems vielgestaltige Geschichte

  1. Christa sagt:

    Lieber Christian, liebe Hildegard, liebe Esther, lieber Franz,
    herzlichen Glückwunsch, ich freue mich so sehr mit Euch, über Euer Ankommen, mit Eurer Freude…
    Am späten Nachmittag des 23.12. hat uns ein Ehepaar das „Licht von Betlehem“ gebracht. Jedes Jahr wird es im Kirchenraum im Erdgeschoss unseres Hauses aufgestellt. Doch in dem Moment durchfuhr es mich ganz – augenblicklich und völlig überraschend wird mir bewusst: das Betlehemlicht wird uns geschenkt – genau zu der Zeit, in der Ihr Euer Ziel, Jerusalem erreichen werdet! Scheinbar so weit entfernt – und auf einmal so nah! Es hat mich sehr berührt. Bis jetzt bestand die Brücke zu Euch im an-euch-denken, mit-euch-beten, Blog lesen, versuchen „pilgernd“ durchs Leben zu gehn… – und jetzt kommt gerade an diesem Tag das echte Licht von Betlehem in unser Haus – und wird weiterhin hier sein und leuchten!
    Im Gottesdienst am Heiligen Abend haben wir für Euch, für das Heilige Land und Eure Friedenskonferenz gebetet.
    Danke für Euern Pilgerweg!! Gesegnete Tage der Gottesgeburt! Friede den Menschen auf Erden!
    Herzlich verbunden,
    Christa

    • Christian Rutishauser sagt:

      Liebe Christa
      Bethlehem hat eine Botschaft für alle Länder und alle Menschen. Auch wenn die Nacht verregnete war, sie hat mich hier am Geburtsort Jesu sehr bewegt, so wie das Friedenslicht Dich.
      In Verbundenheit ein gutes, neues Jahr
      Christian

  2. Pia sagt:

    Lieber Christian,
    es ist sicher ein einmaliges Erlebnis, Jerusalem so zu erleben wie Ihr,
    und ich wünsche Euch zu Weihnachten und zum Neuen Jahr ein inneres
    Wachstum aus dieser Erfahrung!
    Heute habe ich aber auch Fragen: Während das Judentum – und der Islam – auf diesem konkreten Land und dieser konkreten Stadt zu beharren scheinen, scheint für das Christentum eher das Symbolische und Allegorische erhalten geblieben. Ist das spirituelle Jerusalem nicht inzwischen eine universelle Chiffre, zumindest im Christentum?
    Kann Jerusalem nicht in jeder Kirche, in jedem Herzen gelebt werden? Wäre das ein Friedensansatz für alle? Wird hier eine Verkultung bzw. Fundamentalisierung einer historischen Geographie betrieben? Ähnlich, als ob ich bei Reliquien die Knochen verehre und nicht den Menschen dahinter?Oder ist die geographische Bindung unverzichtbar? Wie geht es Dir damit nach der langen Pilgerschaft? Loslassen können oder lebenslange, fußfeste
    Pilgerschaft „forever“?

    • Christian Rutishauser sagt:

      Liebe Pia
      Das Geistige wird im Materiellen sichtbar, da erst erreicht es nicht nur unseren Geist, sondern auch unsern Leib. Bei aller Ambivalenz, das Wort will Fleisch werden, Weihnachten!
      Ein gesegnetes 2012
      Christian

  3. Petra Nientiedt sagt:

    Lieber Christian, über Freundinnen unserer Ruth in Israel kommen ziemlich erschreckende Nachrichten, was die Behandlung säkularer Jüdinnen von Seiten ultraorthodoxer Männer angeht. Dass ein Buss zwei Stunden nicht losfahren konnte, weil ein Ultraorthodoxer den Anblick einer eher säkularen Jüdin vor sich nicht ertragen konnte und sie auf die hinteren Plätze verwies. Dass einige Frauen aus diesem Milieu Burka tragen, was sogar deren Rabbis etwas schräg finden. Dass es Straßenschilder gibt, die die Straßenseiten in „für Frauen“ und „für Männer“ unterteilen. Dass die Polizisten, die diese Schilder entfernen wollen, als „Nazis“ beschimpft werden… Die Jerusalem Post muss voll von solchen Berichten sein.
    Euer Friedenszeichen ist weitaus mehr gefragt, als ihr wahrscheinlich zu Anfang selbst gewusst habt. Masel tow für die kommenden Gespräche. Petra.

    • Christian Rutishauser sagt:

      Liebe Petra
      Fanatische Religion ist gefährlich und nimmt in Israel und Palästina sicher zu. Das Gegenmittel ist eine Religion, die sich ganz an der Mitmenschlichkeit orientiert, an der Inkarnation.
      Frohe Weihnachtstage,
      Christian

  4. Edith sagt:

    Lieber Christian
    Ich freue mich mit Euch, dass Ihr Jerusalem erreicht habt.
    Mir hat in Deinem obenstehenden Blogeintrag ein Satz sehr erstaunt: „Doch umstitten sind weiterhin nur wenige Quadratkilometer, einige heilige Orte.“ … nur wenige Quadratkilometer? … ich glaube, dass das viele palästinesische Flüchtlinge und betroffene Menschen anders sehen würden. Nicht?
    Liebe Grüsse
    Edith Zingg

    • Christian Rutishauser sagt:

      Liebe Edith
      Danke für die Zeilen. Selbstverständlich betrifft, der Nachostkonflikt die ganze Region und somit auch ganz Jerusalem. Doch in diesen Tagen wir konkret über die Altstadt und den Tempelberg gestritten. Hier wurde die zweite Intifada ausgelöst. So sind begrenzte Orte Auslöser von grossen Konflikten.
      Herzlich verbunden,
      Christian

  5. cilli aepli sagt:

    Wo Menschen sich streiten,um was streiten sie eigentlich?Bei uns geht es um Geld,Geld und Nochmal Geld.Es geht auch um Erbschaften, um Die Rente, Um Krankenkassa Beiträge,um plastische Chirurgie,warum und wer sind die Reichsten Menschen der Welt?Die Nächstenliebe bleibt auf der Strecke,was sich nahtlos anschliessen kann,sind der älteste oder die älteste Bürger der Welt, DER NEID;DIE EIFERSUCHT;DIE HINTERHAELTIGKEIT;grossen Besitztum, neueste Mode,einen schnellen Wagen, warum nnicht ein Cabriolet ?In der Mitternachtsfeier hier in Diessenhofen hat der Gemeindeleiter uns die drei Worte zur Meditation mit auf den Heimweg gegeben, die 3 F F F:Furcht, Freude , Finden,dabei bleibt das Grösste nicht auf der Strecke…..Friede den Menschen auf Erden ,in seiner Gnade. Ganz herzlicheGrüsse ,euch allen 4, am Tag des heiligen Evangelisten Johannes, euch in GEdanken und Gebeten verbunden

    • Christian Rutishauser sagt:

      Liebe Cili
      Danke für die Weihnachtsbotschaft, so notwendig für uns!
      Mit einem lieben Gruss, Christian