nach Hause – auch noch nach drei Wochen

 

licht- und gesangfreudiger Empfang in Jona

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Adventskalenderbild vom 6. Januar - passend!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch ich bin wieder zu Hause.

Angekommen? Das ist eine schwierige Frage, obwohl das Willkommen gar nicht schwer war. An besagtem Ankunftstag am 6. Januar zu Dreikönig, erwartete mich die Pfarrei Maria Himmelfahrt am Bahnhof Jona mit Kerzenschein und dem passenden Lied: „Shalom chaverim, shalom chaverim, shalom, shalom. Lehitraot, lehitraot, shalom, shalom.“ (Friede, Friede ihr Freunde, Friede, bis zum Wiedersehen!)

Frieden – dafür sind wir gegangen, er ist uns begegnet, er begeleitete uns, wir versuchten mit unserem Projekt für den Frieden einzustehen und auch mein Ankommen war friedlich und freundlich und dauerte bis in die Morgenstunden. Glücklich und zufrieden fiel ich morgens um halb vier müde ins Bett.

Hier ist ein Zuhause und täglich spüre ich neu wie wohl es mir in Jona, in dieser Pfarrei, mit den Leuten und im Team ist. So ist Heimkommen schön! DANKE allen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

es wird gelacht und...

... getanzt!

Freude!

 

Veröffentlicht unter Begegnungen | 2 Kommentare

Eingeflochten

Vor drei Wochen sassen wir Pilger im Flugzeug, bereit für die schnelle Zurückbringung nach Hause und in unsere Alltage. Für mich gab es in gewissem Sinne aber weder das Eine noch das Andere. Meine Wohnung stand gut verpackt im Estrich des Salesianums in Fribourg eingelagert. Mein Beruf, die neuen Arbeitsstellen auf dem Pastoralamt des Bistums St. Gallen und als Pastoralassistentin in der Dompfarrei,  stand mit 1. Arbeitstag am 16. Januar als tabula rasa vor mir.

Drei Wochen später: Die Wohnung in St. Gallen (im Herbst von meiner Schwester gesucht und gefunden) gefällt mir sehr gut. Eine praktisch veranlagte Zügelcrew hatte innerhalb eines halben Tages alles so weit eingerichtet, dass ich schlafen, essen, duschen und arbeiten konnte. Wunderbar. In die neuen Arbeitsstellen, mit Büro im Klosterhof, bin ich herzlich und sehr wohlwollend eingeführt worden. Nach 11 Jahren Abwesenheit vom Bistum St. Gallen und der Pfarreiseelsorge kommt mir vieles verändert entgegen. Nicht aber die Menschen. Von den rund 20 Mitarbeitenden des Bischöflichen Ordinariates kenne ich die Mehrheit.

Was ist vom Pilgern übrig geblieben: Bisher bin ich jeden Tag die 2,7 km von meiner Wohnung zum Büro gelaufen. Noch in morgendlicher Dunkelheit. Ich freue mich an der frischen Luft, vereinzelten Vogelrufen, an den Kindern (die mich hier allerdings nicht beachten im Unterschied z.B. zur Türkei, wo sie uns Pilgern manchmal scharenweise nachliefen), an einer unglaublich gepflegten Stadt und dem Erwachen eines neuen Tages. Was mich am meisten freut: mit dem ersten Schritt beginnt innerlich automatisch des Herzensgebet zu “sprechen”, im Pilgerrhythmus in die einzelnen Schritte eingepasst: Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser. Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser. Es hat sich ins Schrittmass eingeflochten und wird sofort lebendig, wenn ich weiter gehe.

Ich gehe weiter.

Veröffentlicht unter Pilgern daheim, spirituell, wieder daheim | 2 Kommentare

Paulus in Tarsus, Antiochia, Damaskus und Jerusalem

Heute ist ein besonderer Tag: Nach dem liturgischen Kalender feiern wir am 25. Januar das Fest: “Die Bekehrung des hl. Apostels Paulus”: Er war von Jerusalem aus auf dem Weg nach Damaskus, als ihn um die Mittagszeit ein helles Licht umstrahlte, er zu Boden stürzt und Jesu Stimme hört. Saul wird von seinen Begleitern nach Damaskus geführt, weil er selber nichts mehr sieht. Der bei allen Juden angesehene fromme und gesetzestreue Hananias teilt ihm seine neue Berufung mit: “Der Gott unserer Väter hat dich dazu erwählt, seinen Willen zu erkennen, seinen Gerechten zu sehen und die Stimme seines Mundes zu hören; denn du sollst vor allen Menschen sein Zeuge werden für das, was du gesehen und gehört hast.” Und er fährt fort: “Was zögerst du noch? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, und rufe seinen Namen an!” Später betet Saulus wieder in Jerusalem im Tempel, wo er “in eine Verzückung gerät” (Apg 22,1-21).

Taufe des Saulus

An beiden Orten haben wir dieses bekehrten Pharisäers gedacht: In Damaskus in der Hananias-Kapelle, vor der wir eine einfache Darstellung der Taufe des Saulus durch Hananias gefunden haben; und in Jerusalem auf dem Tempelberg, wo Saulus häufig gebetet hat, auch nach seiner Bekehrung zum Jünger Jesu, des Messias, den er als Sohn Gottes bekannte (Röm 1,1-4; Gal 4,4-5).

Doch seinen Spuren sind wir auch in Konya im anatolischen Hochland, dem antiken Ikonion, begegnet (Apg 14,1). Dann in Tarsus, seiner Geburtsstadt (Apg 22,3), wo er nach seiner Bekehrung wieder einige Zeit verbracht hat und wo ihn Barnabas aufsuchte und nach Antiochia holte (Apg 11,25-26). In dieser Stadt, dem heutigen Antakya in der Südtürkei lebte und wirkte Saulus bzw. Paulus über mehrere Jahre (vgl. Apg 13,1-3; 15,35).

Das Leben und Bekenntnis dieses Begeisterten für Christus berührt mich jetzt noch mehr als vor unserer Wallfahrt.

Veröffentlicht unter Christen, Juden, spirituell, Strecke, wieder daheim | Hinterlasse einen Kommentar

Im Alltag angekommen

Dankbar bin ich, dass ich nicht vom ersten Tag an schon mit aller Arbeit und Terminen überfallen und zugeschüttet worden bin. Trotzdem füllt sich die Agenda rasch mit Anlässen für das laufende Jahr. Grosse Aufgaben werden an mich herangetragen. An der Universität begrüssen mich viele und wollen die Neuigkeiten über die Wallfahrt erfahren. Ein herzliches „Willkommen zurück“ kommt mir oft entgegen – ich freue mich darüber.

Vergangene Woche habe ich meine kranke Mutter in Österreich besucht und die Gelegenheit genutzt, an drei Orten über unser Pilgern einen Vortrag zu halten. Doch seit vorgestern hat mich der Alltag endgültig eingeholt: Die Bürozeiten sind wieder meine Arbeitszeit, das Telefon nicht mehr weitergeleitet, die Abwesenheitsmeldung im Emailprogramm deaktiviert. Ein Gutteil der Korrespondenz ist aufgearbeitet. In der Eucharistiefeier müssen wir uns nicht spartanisch auf das Allerwesentlichste beschränken, sondern können in festlicher Umgebung feiern. Bei der täglichen Meditation sitze oder knie ich vor der Ikone, ich mache meine Betrachtung nicht im Gehen.

Heute merke ich, dass mir bei den langen Bürozeiten das Laufen doch fehlt, ich sehne mich nach der Sonne, der frischen Luft und dem manchmal rauen Wetter. Zugleich bin ich dankbar, dass ich mich jeden Abend in mein gemachtes Bett schlafen legen kann. Sehr wohltuend ist die selbstverständliche morgendliche warme Dusche – welch ein Luxus!

Meine Dünnhäutigkeit ist – Gott sei Dank – noch vorhanden. Ich bin sehr aufmerksam und sensibel für Menschen, ihr Leid, ihre Anliegen; zugleich sehe ich Naturschönheiten mit sehr wachem sympathischem Auge: Alles ist mir näher, beinahe in Griffweite und zugleich in Respektabstand.

Dass unsere 4er-Gruppe jetzt wieder so weit voneinander entfernt lebt und wirkt, fällt mir auf – die Situation hat sich im Vergleich zu unserer Wallfahrtszeit wesentlich geändert.

Bei den Bibeltexten bin ich aufmerksamer als vor der Wallfahrt: Ich horche vor allem dann auf, wenn Namen oder Landstriche aus Syrien, Jordanien und Israel/Palästina genannt werden, die wir besucht haben oder durch die wir zu Fuss gegangen sind. Heute ist ein solcher Tag: Paulus in Damaskus. Dazu im nächsten Blog.

Veröffentlicht unter spirituell, wieder daheim | 4 Kommentare

Behutet auch daheim

Wer erinnert sich noch an die Anfänge. An die Geschichten mit den Hüten. An den Bruder, der sie allen vieren schenkte. Der uns behutete. Der wünschte, wir sollten beschützt sein. Er sprach sich noch vor unserem Loslaufen dafür aus, dass er seine Schwester retten käme, falls nötig. Ein Codewort wurde kreiert. Es musste Gott sei Dank nicht eingesetzt werden. Es wäre gewesen: Vergissmeinnicht. Dieser Bruder war es gewesen, von dem das 1. SMS am Dreikönigstag nach der Landung in Kloten eingegangen war: Ich ziehe alle meine Hüte vor eurer Leistung, gratuliere euch ganz herzlich und möchte euch bei Gelegenheit gerne bekochen.

Bereit für die Powerpointpräsentation in der Stube des Bruders

Das liessen wir uns nicht zweimal sagen und meldeten uns kurzerhand an. Ein Stromausfall im abgelegenen, tief verschneiten Bergtal hätte beinahe eine Pilgerübung daraus werden lassen. Rechtzeitig aber meldete sich die Versorgung wieder zurück. Nun kann man drei der vier Pilger samt einem wichtigen Anhang auf dem Bild in des Bruders Stube mit seinen Liebsten sehen. Er selber bleibt lieber im Verborgenen. Als Fotograf.

Veröffentlicht unter Begegnungen, wieder daheim | Hinterlasse einen Kommentar

Im Eschenbacher Pilgerstübli

Vor den täglich überklebten Aushängen der Blogberichte und Fotos bei den Zisterzienserinnen von Eschenbach

Ich sagte zu meinen Mitpilgern Esther, Franz und Christian, dass es einen wichtigen Grund gäbe, den gemeinsamen Besuch bei den Schwestern in Eschenbach bald zu machen. Es gelang. Den heutigen Sonntag verbrachten wir im Kloster als Gäste. Zunächst wurden wir auf dem Weg zum Mittagsgebet an die Pilgerstübli-Wand geführt. Während unserer ganzen Wallfahrt konnten die Schwestern hier lesen und mitverfolgen, wo wir Pilger gerade waren und was wir erlebten. Nach dem Mittagessen , das unter munteren Gesprächen stattfand, zeigten wir unsere ausführliche Powerpointpräsentation. Immer wieder gab es Nachfragen oder Schmunzeln, aber auch nachdenklich Stimmendes oder aus dem Blog schon Bekanntes.

Die Tempelfrauen von Eschenbach mit uns durch das Pilgerband verbunden

Zum Abschluss wurde uns Pilgern von Sr. M. Ruth ein je eigenes Pilgerband mit auf den Weg gegeben, weil wir – wie sie sagte – Jersualem erreicht, aber noch lange nicht am Ende angekommen wären. Sie nennt dieses Band, das uns auf unserem Weg des Erzählens und Teilens zuhause nun begleitet, Weltband.

Veröffentlicht unter Begegnungen, Vernetzung, wieder daheim | 5 Kommentare

Sesshaft

der Rucksack
ist noch immer gepackt

die Schuhe
stehen bereit

die Schritte aber
führen

zu sesshafter
Alltäglichkeit

wohin
Gott sei Dank

das erpilgerte
bloss
sein
mitgeht

Hildegard Aepli

Veröffentlicht unter Pilgergedichte | 6 Kommentare

Wenn das Absolute ruft

Heute schliesst im Rietbergmuseum in Zürich die Ausstellung “Mystik – Die Sehnsucht nach dem Absoluten”. Ich konnte sie in diesen Tagen nach meiner Rückkehr noch besuchen und habe mich darüber sehr gefreut. Auch habe ich gleich eine handvoll Ausstellungsbesucher getroffen, die auch im Lassalle-Haus ein- und ausgehen. Mystik gehört nicht erst zu mir, seit ich im Lassalle-Haus arbeite, sondern schon seit meiner Gymnasialzeit.

Im Vorfeld des Pilgerns nach Jerusalem wurde ich gefragt, ob ich ein “Pilger des Absoluten” wäre. Natürlich darf man eine solche Frage nicht beantworten. Ich sagte allein, dass ich mir nur Jerusalem als Pilgerort vorstellen kann und dass das äussere Pilgern nur sichtbar macht, was ich seit Jahren im Alltag zu leben versuche. Interessanter aber als die Sehnsucht nach dem Absoluten und die Formen, die diese Suche annimmt, ist das Absolute, das da und dort in das Leben von Menschen eingebrochen ist. Ihnen fühle ich mich nahe und hoffe, in der Begleitung für sie Wege zu finden, damit sie mit dieser Erfahrung umgehen und sie fruchtbar werden lassen können. Dies wird auch zu meiner Arbeit in den kommenden Monaten wieder gehören. Und dann steht auch die Jubiläumswoche bevor “10. Seminar zu Fragen von Spiritualität und Mystik”, die vom 16.-20. April 2012 im Lassalle-Haus stattfinden wird. Spiritualität und Mystik in Musik und Gesang. Mit Vielen freue ich mich darauf!

Veröffentlicht unter spirituell | 3 Kommentare

Äussere Akzentverschiebung

“Christian Rutishauser – Pilger” So lapidar titelte gestern die NZZ. Es hat mich nochmals getroffen, weil mir das Pilgersein von aussen und öffentlich zugesprochen wurde. Es hat sich in mir als geistliche Haltung festgesetzt; ich kann mich damit leicht und gern identifizieren. Es geht Hand in Hand mit meiner Aussage gestern in einem Interview, wo ich erklärte, dass ich keine weiteren Zukunftspläne für andere Pilgerstrecken habe. Ich weiss, dass nach Jerusalem kein anderer Ort mich mehr als Fusspilger anlockt, da in Jerusalem meine menschliche und geistliche Existenz zusammengefasst ist. Auch weiss ich, dass die spirituelle Übung der Kontemplation im Sitzen zutiefst zu mir gehört und nicht jene des Gehens, auch wenn ich sicher weiter in der Natur unterwegs sein werde. Und trotzdem weiss ich mich als Pilger wie nie zuvor. Ähnlich wie Ignatius von Loyola, der sich nach vielen Jahren der Sesshaftigkeit in Rom, von wo aus er den jungen Jesuitenorden leitete, als Pilger bezeichnete, so spüre ich deutlich, wie das Pilgersein zu mir gehört. Ich verstehe das Christsein als Weg und das Christentum weniger als ein Lehrgebäude, sondern als eine Weggemeinschaft. Beim Pilgern bin ich jeden Tag neu auf meine Umwelt zugegangen, nun, sesshaft im Lassalle-Haus, kommt die Welt wieder mehr auf mich zu. Äussere Akzentverschiebung, nichts weiter!

Veröffentlicht unter spirituell | 7 Kommentare

Solidarität mit Christinnen und Christen im Nahen Osten

Den Pilgerweg nach Jerusalem sind wir gegangen, doch das Pilgerprojekt ist noch nicht zu Ende. Für mich persönlich bedeutet es zunächst, die innere Haltungen, die ich unterwegs einübte, nun im Alltag weiter zu pflegen. Von dieser Umsetzung kann ich erst später berichten.
Was mich heute besonders erfreut, ist ein neuer Youtube-Film zu unserem Pilgern, den die Kustodie des Heiligen Landes eben veröffentlicht hat. Uns war es ein Anliegen, nicht nur für uns zu pilgern, sondern über den Weg nach Jerusalem auch lebendige Kirche aufzubauen. Das Netzwerk, das über den Blog und die Medienberichte entstehen konnte, hat auch tatsächliche zu einer Community geführt, – ganz altmodisch ausgedrückt – zu einer Gemeinde. Darüber freue ich mich sehr! Diese Verbundenheit sollte nicht auf uns Menschen aus dem Westen beschränkt sein. Solidarität mit den Christinnen und Christen im Orient war uns Pilgern wichtig. Sie leiden unter den instabilen und radikalen werdenden gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen besonders. Das kräftigste Zeichen setzten wir sicher in der Weihnachtsnacht, als wir im Kinderspital von Bethlehem waren. Der Solidarität mit den Christen im Nahen Osten ist das Video gewidmet.

Veröffentlicht unter Christen, Vernetzung | 2 Kommentare